Offener Brief zum sozio-kulturellen Leben in Prohlis – Teilhabe braucht Räume

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hilbert,

das sozio-kulturelle Leben in Prohlis hat in den letzten Jahren stark nachgelassen. Aufgrund auslaufender Förderungen mussten mehrere Einrichtungen geschlossen oder teilgesperrt werden. Mittlerweile sind auch kleinere Projekte wie bspw. Mietertreffs verschwunden. In Prohlis gibt es zurzeit keinen zuverlässig bespielbaren Veranstaltungsraum. Aus dem Quartier wird seit Jahren der Bedarf nach einem sozio-kulturellen Stadtteilzentrum bekundet. Zwar sind nun wichtige Schritte in Richtung Bürgerhaus geschafft, dennoch wird dessen Eröffnung noch mindestens bis zum Jahr 2021 auf sich warten lassen.

Aktuell ist der Verein „Musaik – Grenzenlos Musizieren e.V.“ seitens des Schulverwaltungsamtes mit der Aufkündigung der Nutzung der Räumlichkeiten in der Boxberger Straße konfrontiert. Das Angebot hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen eine zur Schule und zum Elternhaus alternative Erfahrungswelt zu bieten. Soziale Integration, Verantwortungsbewusstsein und kulturelle Teilhabe können nur dort entwickelt werden, wo Möglichkeiten der Teilhabe, Partizipation, Mitbestimmung existieren. Dazu braucht es geschützte Erlebniswelten, unabhängig vom Schulalltag und den dort bestehenden engen Rahmenbedingungen. Kulturelle Teilhabe braucht eigene Orte, die nicht ausschließen oder diskriminieren. Die zurzeit bestehenden Räumlichkeiten in der Boxberger Straße bieten sich als besondere Ressource für eine Zwischennutzung zu sozio-kulturellen Zwecken an. Damit wird Zeit gewonnen, um mittelfristig dringend benötigte räumliche Ressourcen in Prohlis zu schaffen.

Wir bitten Sie daher, die Boxberger Straße 1-3 bis zum Abriss der Gebäude zur Nutzung für sozio-kulturelle Zwecke zur Verfügung zu stellen und den Standort energetisch warten zu lassen. Prohlis gehört aufgrund seiner Wohnungskapazitäten zu den Gebieten der „überforderten Nachbarschaften“. Prohlis trägt in Dresden die höchsten Integrationsleistungen bei bereits vorhandenen multiplen Problemlagen. Trotz widriger Bedingungen engagiert sich im Stadtteil eine Vielzahl von Akteur*innen, um das gesellschaftliche Miteinander gelingen zu lassen, wie jüngst ein Fest anlässlich der Interkulturellen Tage gezeigt hat.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

kulturelle Teilhabe braucht Räume, die von zahlreichen Initiativen vor Ort genutzt werden könnten. Sie haben angekündigt, Dresden zur Vorzeigestadt für Integration zu machen. Wir wünschen uns, dass Sie Ihren Worten Taten folgen lassen und bitten Sie, die notwendigen Rahmenbedingungen herzustellen, damit Ehrenamt und Zivilgesellschaft die große Aufgabe der Integration in Dresden gemeinsam mit Ihnen meistern können.

Wir bieten Ihnen an, im Rahmen unserer Möglichkeiten aktiv daran mitzuwirken.

Die Unterzeichner*innen

für das Netzwerk „Prohlis ist bunt“:

Julia Günther, Stadtbezirksbeirätin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Katrin Lindner, Quartiersmanagerin
Heike Löffler, Verbund Sozialpädagogischer Projekte e.V.
Eva Apfelbaum, Stadtbezirksbeirätin DIE LINKE
Uwe Petersen, Stadtbezirksbeirat SPD
Margot Gaitzsch, Stadträtin, DIE LINKE
Doro Marth, Stadtbezirksbeirätin, SPD
„Mobile Jugendarbeit Dresden-Süd e. V.“, Team Prohlis

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Jana Hering, Dipl. Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin (FH)
Dorothea Kronefeld, Vormund
Susanne Schneider, Musikerin
Sebastian Storz, Vorsitzender SPD Prohlis
Stefanie Kaps, Stadtbezirksbeirätin, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (parteilos)

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